Preis an den Herausgeber der Lyrikzeitschrift PARK, Michael Speier

Über den Preisträger

Michael Speier, geb. 1950, lebt als freier Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Übersetzer in Berlin.

Sein lyrisches Werk ist in mehr als 40 Anthologien und folgenden Gedichtbänden veröffentlicht:

  • Donau-Gene (Gedichte, deutsch-serbisch), Smederewo 2008, ISBN 978-86-84201-58-6
  • welt/raum/reisen (Gedichte, m. Zeichnungen v. Xago), Berlin 2007, ISBN 978-3-926677-63-1
  • (w)ortschaften – Mitlesebuch 92 (Gedichtauswahl), Berlin 2005
  • Urezi na krhotinama (Werkauswahl 1995-2005, serbisch), Novi Sad/Belgrad 2005, ISBN 86-7047-465-4
  • Wüste Pfade (Gedichte m. Zeichnungen v. A. Holldorf), Berlin 2004
  • Leseproben – Mitlesebuch 30 (Gedichtauswahl), Berlin 1999
  • Scherbenschnitte, Gedichte, Berlin 1998, ISBN 3-87008-127-9
  • Die Akribie der Zärtlichkeit, Gedichte, Potsdam 1995, ISBN 3-930752-01-8
  • Eisgang, Gedichte (m. Zeichnungen v. Chr. v. Baum), Krefeld 1986
  • Gedichte, Literarische Reihe ’83, Band 1, Berlin 1983
  • En un lieu toujours autre (Gedichte französisch-deutsch), Paris 1983
  • Kaum Uhren irgend, Gedichte, Krefeld 1981
  • Traumschaum, Gedichte, Berlin 1977
  • Gedichte, Heidelberg 1975

Neben der von ihm gegründeten und herausgegebenen Lyrikzeitschrift PARK (1976 ff.) hat Michael Speier eine Reihe von Anthologien herausgegeben und ist seit 1995 korresp. Redaktionsmitglied der Zeitschrift PO&SIE (Paris).

Michael Speiers Gedichte sind in zehn Sprachen übersetzt worden; er wurde zu internationalen Poesiefestivals (u.a. in Medellín, Buenos Aires, Rosario, Belgrad, Novi Sad, Zürich, Malmö, Luxemburg) eingeladen und leitete 2007 das Poesiefestival Mailand. Speier hat sich – nicht nur in den jeweils einem Gastland gewidmeten Ausgaben der Lyrikzeitschrift PARK – der transnationalen Vermittlung moderner Lyrik gewidmet und selbst neuere englische, französische und italienische Gedichte übersetzt.

Nach seiner wissenschaftlichen Ausbildung und Lehrtätigkeit an der Freien Universität Berlin sowie in Leipzig und Hildesheim ist Michael Speier seit 1997 Honorarprofessor an der Universität Cincinnati (USA); er lehrte außerdem am Dartmouth College und an weiteren US-amerikanischen Universitäten. Sein wissenschaftliches Werk umfasst u.a. Studien zu Jean Paul, zum literarischen Übersetzen, zur Metropolenlyrik und zu Paul Celan. Er ist Gründer und Herausgeber des seit 1987 erscheinenden Paul-Celan-Jahrbuchs.

Michael Speier ist Mitglied im PEN; er erhielt Arbeits- und Aufenthaltsstipendien u.a. von der Stiftung Preußische Seehandlung, dem Senat von Berlin und der Kulturstiftung Amsterdam, außerdem das Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste Berlin sowie das Hermann-Hesse-Stipendium (Calw); er arbeitete als writer in residence in den USA, Frankreich und Budapest. 2007 war er Preisträger der Deutschen Schillerstiftung Weimar.

Links zu Michael Speier:

Rezensionen seines Buches: welt/raum/reisen (Gedichte. Mit Zeichnungen von Xago und einem Vorwort von Ulrike Draesner), Aphaia Verlag, Berlin 2007:

Über die Zeitschrift PARK

Die Zeitschrift PARK wurde 1976 begründet mit dem Ziel, neue Tendenzen der Gegenwartspoesie zu entdecken und in Erstdrucken vorzustellen. Sie will ohne programmatische Festlegung die Formen jüngster Lyrik erkennbar machen. PARK steht unterschiedlichen Strömungen offen und bringt auch Texte von Autoren, die sich literarischen Zirkeln und Schulen konsequent entzogen haben.

Ein Schwerpunkt liegt bei der Präsentation jüngerer begabter Lyriker. Eine Daseinsberechtigung erhält PARK rückwirkend dadurch, dass viele von ihnen später den Weg in größere Verlage gefunden haben.

Texte von über 300 Schriftstellern sind in den bisher 64 Ausgaben der Zeitschrift erschienen, die damit gleichsam eine Lyrik-Anthologie in Erstdrucken darstellt. Die Namen der Autoren spiegeln Entwicklungen wider, die die deutsche Lyrik in den letzten 35 Jahren genommen hat. So sind u.a. vertreten: Paul Celan, Helmut Heißenbüttel, Rose Ausländer, Erich Arendt, Friedrike Mayröcker, Elke Erb, Oskar Pastior, Christoph Meckel, Jürgen Theobaldy, Hans-Ulrich Treichel, Uwe Kolbe, Ralf Rothmann, Ernest Wichner, Dieter M. Gräf, Gerhard Falkner, Thomas Kling, Durs Grünbein, Ulrike Draesner, Norbert Hummelt, Monika Rinck, Jan Wagner, Marion Poschmann und Silke Scheuermann.

Einen festen Bestandteil der Zeitschrift bildeten von Anfang an Dossiers über Gegenwartspoesie in fremden Sprachen. Bisher wurden Dichtungen aus 23 Ländern präsentiert, – meist zweisprachig und mit instruktiven Einleitungen. So konnte man zeitgenössische Gedichte aus Katalonien und Flandern, aus Mexiko, Griechenland, Italien, Spanien, Schweden, Frankreich, England, den USA, Polen, Rußland, Serbien, Irland, Dänemark, den Niederlanden und Lateinamerika kennenlernen. Erstübertragungen von Arbeiten auch hierzulande vielbeachteter Dichter, wie Octavio Paz, Andrea Zanzotto, Kenneth Koch oder Gennadij Ajgi, stehen dabei neben Expeditionen zu unbekannten Poesien, etwa aus Estland, Luxemburg oder dem Iran.

Wenn auch das Hauptgewicht der Zeitschrift bei der Lyrik liegt, so veröffentlicht PARK darüber hinaus kürzere Prosaarbeiten, Rezensionen wichtiger Neuerscheinungen, literaturästhetische und poetologische Essays, z.B. von Hans Blumenberg und Hans-Martin Gauger sowie unbekannte Briefe u.a. von Ernst Meister und Paul Celan.

Einige Pressestimmen

„Speier fördert Literatur also im dreifachen Sinne: er schreibt, er klopft sie untersuchend ab, und er holt sie aus den Schubladen der Scheuen ans Licht der Öffentlichkeit. […] Kenner wissen es längst: Sie [PARK] ist die einzige, die sich ganz der Kunst des Gedichts verschrieben hat.“
Berliner Morgenpost (23. Mai 1982)

„Klein, aber fein gleicht die Zeitschrift einer unbeirrten, fundierten Liebeserklärung an die Literatur mit Schwerpunkt Lyrik.“
Aus: Neue Zürcher Zeitung (1986)

„1976, als das erste Heft des ‚Park‘ herauskam, war sie ein eher elitäres Gewächs im wildwüchsigen Blätterwald der Zeitschriftenneugründungen. Gegen den Mainstream der Zeit, Alltags-, Gebrauchs- und Trivialliteratur zu literarischer Akzeptanz zu verhelfen, trat ‚Park‘ mit einem für damalige Verhältnisse waghalsigen Konzept an: Entscheidendes Kriterium bei der Auswahl der Texte war kein politisches oder ästhetisches Programm, sondern ausschließlich künstlerische Qualität.“
Aus: Der Tagesspiegel (1. April 1997)

„Seit mehr als 20 Jahren gibt er [Michael Speier] die Literaturzeitschrift ‚Park‘ heraus. Darin erscheinen Erstveröffentlichungen oder Erstübersetzungen von Lyrik aus aller Welt. Auch spätere Nobelpreisträger wie Octavio Paz haben dort veröffentlicht. Als er in den 70er Jahren damit begann, waren selbstgebastelte, meist hektographierte Zeitschriften zu allen möglichen Themen modern. Mit ‚Park‘ setzte Speier bewusst auf ein bestimmtes Niveau. Ein Forum für Gegenwartslyrik zu schaffen, unabhängig von allen Modetrends, war sein Traum. Noch heute ist er stolz darauf, dass er zum Beispiel estnische Lyrik vor 1989 gebracht hat.
Aus: Der Tagesspiegel (6. Januar 1999)

„Es erstaunt immer wieder zu sehen, dass man unter der eigentlich überschaubaren Zahl ausschließlich Lyrik publizierender Organe überaus dauerhafte und geglückte Projekte findet, deren Wahrnehmung (leider) eher marginal ist und deren Existenz sich offenbar nur wenig herumgesprochen hat. Als ein solches ist beispielsweise die von Michael Speier herausgegebene hochklassische ‚Zeitschrift für internationale Gegenwartspoesie‘ mit dem kurzen Titel ‚Park‘ zu nennen, in der seit 1976 viele große und großartige Autoren aus dem In- und Ausland veröffentlichten.“
Andreas Nora in: Titel. Kulturmagazin. Oktober 2005. http://www.titel-magazin.de/artikel/6/2547/poesie-agenda-2006.html

„Gegen solche poetische Leichtfertigkeit mobilisiert die von Michael Speier herausgegebene Lyrikzeitschrift PARK seit nunmehr 34 Jahren ihren traditionsbewussten Eigensinn und zugleich ihr vitales Interesse an neuen unverbrauchten Ausdrucksformen. Im neuen PARK, dem Heft Nummer 63, sind wunderbar geschliffene Bemerkungen Gerhard Falkners zum Werk einiger Dichterkollegen zu lesen, eine philologische Feinmechanik ersten Ranges.“
Zeitschriftenlese – Oktober 2009 von Michael Braun | Saarländischer Rundfunk – Literatur im Gespräch

„Wer die poetisch einfallsreichsten, formal kühnsten und ambitioniertesten Gedichte der Gegenwartslyrik kennenlernen will, der muss zu der Literaturzeitschrift ‚Park‘ greifen, die der Berliner Dichter Michael Speier seit über 30 Jahren im Alleingang und ohne Subventionsstütze im Rücken herausgibt.“
Zeitschriftenlesen innerhalb der Sendung ‚Literatur im Gespräch‘ des Saarländischen Rundfunks. 14. Dezember 2010